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 Lohndumping  und  Schwarzarbeit bei  Billigfriseuren        



Neuer ZDF-Bericht
über Dumpinglöhne und Kontrollen



Neue Razzia in NRW: 1,50 pro Stunde aufgedeckt

Der SPIEGEL berichtete am 9.10.09:  Dumpinglöhne gibt es nur in Ostdeutschland? Von wegen: Mitarbeiter des Zolls haben bei einer Razzia in nordrhein-westfälischen Friseursalons im Einzelfall Stundenlöhne von nur 1,50 Euro ermittelt. Den Verantwortlichen drohen...weiterlesen



FOCUS TV deckt auf -  Schwarzarbeit und Lohndumping bei Billigfriseuren (leider nicht mehr online)

Streckenweise aufschlußreiche Reportage, teilweise jedoch schlampig recherchiert. Im Beitrag gab es zum Beispiel einen Kommentar, dass 99% der Dumpingpreise von ausländischen Frisören stammt. Das ist nachweislich absolut falsch, da die Dumpingpreise in der Masse deutsche Ketten wie Klier, SuperCut etc. machen. Ebenfalls merkwürdig: Deutsche wurden im Beitrag unkenntlich gemacht, bei den ausländischen Saloninhabern war das scheinbar nicht so wichtig. Diese Auffälligkeiten lassen vermuten, daß manche FOCUS-Redakteure grundsätzlich ein Problem mit ausländischen Mitbürgern haben, der zuständige FOCUS-TV-Chef Matthias Pfeffer sollte hier besser aufpassen.




Bayrischer Rundfunk über Zollfahndung beim Billigfriseur mit Schwarzarbeitern





RTL-Video: Schwarzarbeit: Zollfahndung bei Billigfriseuren in München - beginnt ab 4.15 min (vorher: Salons in Polen)







VIDEO Teil 1:
    FOCUS TV deckt auf -  Schwarzarbeit und Lohndumping bei Billigfriseuren (Teil 2 siehe unten)




VIDEO Teil 2:     FOCUS TV deckt auf -  Schwarzarbeit und Lohndumping bei Billigfriseuren



Übersicht: Tariflöhne (Gesellen) nach Region/Land  (Stand 01/09)

Der Mindest-Tariflohn ist der niedrigste Lohn, den ein Arbeitgeber laut Gesetz zahlen darf. Ein Verstoß ist eine Straftat nach §266a StGB . Dieser Lohn wird in der Regel nur von Billigkettenbetreibern gezahlt und manchmal zahlen sie sogar noch weniger als es der geltende Tariflohn vorsieht. Der Staat kontrolliert das in letzter Zeit vor allem bei Razzien in Billigsalons und wird oft fündig. Betroffene Friseure sollten bei Verstößen nicht zögern, ihren Arbeitgeber bei der zuständigen Kontrollbehörde anzuzeigen.

Anleitung für Checkliste (unten)

Zuerst   Bruttolohn duch Anzahl der geleisteten Stunden teilen (auch Überstunden). Das ergibt deinen tatsächlichen Stundenlohn. Dann Stundenlohn mit dem jeweils gültigen Tarif-Stundenlohn deiner Region (unten, fettgedruckt) vergleichen. In Bayern, Baden-Württemberg und einigen anderen Bundesländern sind die Tariflöhne allgemeinverbindlich: Das heißt, jeder Friseur muß den angegebenen Tariflohn einhalten.


Bayern  7,66 (pro Stunde)  |  1.232 (mon.) | 37 (Wochenstunden )
Baden-Württemberg   8,40 |  1.308,50 (LoSt 1)  | 38,5
Berlin-West und Ost 3,38 | 544 | 37
Brandenburg 2,75 | 464 | 39
Hamburg 5,11 | 822 | 37
HWK-Bezirke Rheinhessen, Koblenz, Trier 4,99 | 803 | 37
Thüringen   3,18 | 511 | 37
Rheinland-Pfalz --- | 1280 | ----
Hessen 7,99 | 1.286 | 37
Innungsgebiet Lübeck 3,50 | 571 | 37,5
Mecklenburg-Vorpommern 4,51 | 726 | 37
Niedersachsen und Stadt Bremen 6,57 | 1.084 | 38
Nordrhein-Westfalen 7,60 | 1300 | 37
Sachsen 3,06 | 492 | 37
Sachsen-Anhalt 3,05 | 491 | 37

Hinweis: Bereits 1 Cent unter dem Tariflohn ist eine Straftat nach nach §266a StGB !   (mehr Infos und Strafen)

Die Tariflöhne wurden mühsam zusammenrecherchiert. Quellen u. a. WSI-Tarifarchiv Hans Böckler Stiftung -

Im Zweifelsfall im Salon nachschauen- jeder Salon ist gesetzlich zum Aushang des Tarifvertrags verpflichtet!

Neue Zahlen? Bitte Nachricht (mit Gültigkeitsdauer) des neuen Tarifvertrags an friseure(at)hairweb.de




Du verdienst zu wenig?

Du solltest jetzt

  • ... Dumpinglöhne anzeigen - schon 1 Cent unter dem Tariflohn ist eine gravierende Straftat nach §266a StGB
  • ...in der Friseur-Community mix-ecke mit anderen Betroffenen in Kontakt treten
  • ...einer Gehaltserhöhung fordern mit Hinweis auf den Tariflohn - oder siehe direkt nächster Punkt
  • ...den Salon wechseln. Manche Top-Salons zahlen nachweislich bis zu 3000 Euro. (siehe auch Jobbörse)
  • ...ins Ausland gehen - deutsche Coiffeure verdienen im Ausland schon mal 3300 Euro im Monat (siehe hier)
  • ...umschulen lassen auf Postbote :-)    


Wieviel sollten Friseure verdienen?

Die Tätigkeit des Friseurs ist eine sehr anspruchsvolle handwerkliche Arbeit. Trotzdem verdienen viele Friseure in Deutschland verhältnismäßig wenig Geld. Der Mindest-Tariflohn für Friseurgesellen beträgt in Sachsen nur 3 Euro pro Stunde (siehe Übersicht unten). In anderen Bundesländern liegt er jedoch deutlich höher, in Hessen oder NRW etwa bei 8-13 Euro (1286-2100 Euro Monatslohn), je nach Qualifikation. Insbesondere manche Billigketten bezahlen manchmal noch nicht einmal den gesetzlich vorgeschriebenen Mindest-Tariflohn (siehe unten).

LINK Hier geht´s zu den ausführlichen Tarifinfos (Gesellen, Meister, Salonleitung etc.)




Buchtipp: "Geheime Tricks für mehr Gehalt" (amazon)



Friseurverbände lehnen Friseur-Mindestlohn ab

Der Mindestlohn wird nicht nur bei den Gewerkschaften (z.B. Verdi) heiß diskutiert. Nur die großen Friseurvereinigungen scheinen das Thema zu verdrängen oder lehnen gar den dringend erforderlichen Mindestlohn (Stichwort "Billigketten") ab. Siehe Beispiele unten:

Zentralverband Friseurhandwerk
Lehnt Mindestlohn ab >>> siehe oben
Fachverband Friseur Baden Württemberg
Thema existiert nicht - unter Aktuelles nur Bericht über EC-Karten und Bärte - Link
Landesinnungsverband Sachsen
Trotz 3 Euro Tariflohn in Sachsen kein einziger Bericht - Link





Warum Friseure (zu) wenig vedienen...               

Laut neuesten Zahlen (07/08) des Statistischen Bundesamtes verdienen Friseure durchschnittlich 1315 Euro brutto im Monat (Gesamtschnitt aller Berufe 3093 Euro, Tariflöhne siehe unten). Damit liegen sie am unteren Ende aller Berufe. Jeder Postbote oder eine Kassiererin verdient mehr. Fast alle geringverdienenden Friseure (z.B. Friseure in Sachsen und Mitarbeiter der Billigketten nur 600 Euro monatlich) müssen mit Hartz IV-Geld aus Steuergeldern unterstützt werden.

Warum ist das so?   Ist die Dienstleistung eines Friseurs etwa nichts wert?

Nein, im Gegenteil. Ohne gewissen "Berufen" zu nahe zu treten, aber der Friseurberuf ist mit all seinen hohen handwerklichen Anforderungen und drei Jahren Lehrzeit doch eine komplett andere Tätigkeit als den ganzen Tag Briefe zu verteilen oder Joghurtbecher durch Scanner-Kassen zu ziehen.

Der Grund für die Minilöhne sind neben den ausbeutenden Billigketten die fehlende gewerkschaftliche Mitgliedschaft unter Friseuren. Die Betriebe sind in der Regel so klein, daß man keinen Betriebsrat haben muß. Auch Handwerkskammern und Friseurinnungen tun nichts - im Gegenteil: Handwerkskammern ziehen Existenzgründern ohne Meisterbrief für Ausnahmegenehmigungen noch ein paar Tausender aus den leeren Taschen und die Innungen kümmern sich fast auschließlich um ihre Saloninhaber. Der einzige, der noch was bewirken könnte, wäre der Berliner Starfriseur Udo Walz. Seine Kundin ist Friseur-Junkie und Bundeskanzlerin Angela Merkel die sich jedoch noch nicht mal für einen Mindestlohn für Friseure entscheiden kann. Vielleicht hat Udo sie auch noch nie darauf angesprochen....








"System" Billigfriseure: Abzocke, Angst und Anklagen

HairWeb recherchiert und berichtet seit über 5 Jahren über die Machenschaften der umstrittenen Discountfriseure und ist bestens informiert: Viele Betroffene schrieben unzählige verzweifelte eMails und berichteten von geradezu haarsträubenden Zuständen in den 5 bis 12-Euro-Salons (siehe auch "Mitarbeiter" unten). Daraus und aus anderen Recherchen ergibt sich ein erschreckendes Bild von moderner Sklaventreiberei, Gier und Ausbeutung. Das wirklich Schlimme daran ist jedoch: Das menschenverachtende System, deren Umsätze zum Teil auf Staatskosten gemacht werden (Vollzeit + Hartz4), wird immer noch von vielen ignoriert. Nicht zuletzt sind es auch manche Kunden, denen egal ist, was wirklich hinter den Dumping-Angeboten steckt.

Aber es bewegt sich was: Immer mehr Billigfriseuren bleiben die Kunden weg: Einige Ketten (s.o.) gingen bereits in die Insolvenz, andere müssen immer mehr Filialen schliessen. Miarbeiter gehen an die Öffentlichkeit und vor kurzem wurden sogar erste Keten-Manager verurteilt (Klier). Selbst manche Friseurinnungen, die lange vehement einen fairen Mindestlohn blockierten, erkennen, daß das der falsche Weg war und kritisieren jetzt vermehrt Mißstände. Wir bleiben dran...

 

Die Preise

Auch bei den Preisen wird abgezockt und getrickst: Hiess es noch draußen am Schaufenster "Alles XX EURO!" (siehe Foto) erfährt man dann drinnen von "Langhaarzuschlägen", begrenzter Strähnen-Anzahl, doppelter Abrechnung bei zwei Haarfarben und vielen Einschränkungen und "Sternchen". Streit an der Kasse ist vorprogrammiert. Für Zusatzdienstleistungen müssen oft am Ende erhebliche Aufschläge bezahlt werden, daß fast jeder normale Friseur um die Ecke preislich mithalten kann.

Um dem enormen Preisdruck standzuhalten stellen viele Billigketten mittlerweile praktisch jeden ein und lassen sie teilweise ohne jede Ausbildung oder bestenfalls mit einem Schnell-Kurs arbeiten. Gegenüber dem Kunden nennen sich die berufsfremden Angestellten einfach "Stylisten", denn die Berufsbezeichnung "Friseur" ist gesetzlich geschützt und erfordet drei Jahre Ausbildung.


Die Kunden

Eine Botschaft vorweg: Kein ehrlicher, fair zahlender Salon kann einen guten Haarschnitt unter 15 EURO anbieten. Wer billiger ist, kann dies in der Friseurbranche nur mit Lohndumping + Ausbeutung erreichen. Leider wissen das manche Kunden nicht oder es ist ihnen sogar egal: Sie vermuten: Ok, wer beim Discounter arbeitet, der verdient eben nicht so viel. Wird schon nicht schlimmer sein als bei Rossmann, DM oder Aldi. Auch wenn die Mitarbeiter oft schlecht gelaunt und etwas wortkarg sind, Hauptsache die Haare sitzen. Gibt man eben etwas Trinkgeld und alles ist in Ordnung. Kaum ein Kunde kann sich jedoch vorstellen, wie wenig diese Friseure tatsächlich verdienen (teilweise 1,50 Euro pro Stunde) und unter welchem enormen Druck sie arbeiten. Nicht selten werden sie von der Geschäftsführung massiv bedroht und eingeschüchtert. Dazu unten mehr unter "Mitarbeiter".

Statistiken zeigen, daß insbesondere viele Männer keine Skrupel haben, zum Billigfriseur zugehen. Auch Studenten, Schüler, junge Kunden und immer mehr Rentner, die aus finanziellen Gründen nie einen "normalen Friseursalon" betreten würden stolpern desöfteren blauäugig in einen Billigsalon. Dabei kommt es manchmal zu kuriosen Zusammentreffen. Beispielsweise eine Rentnerin, die mit ihrem Mann bei einem Hamburger Billigfriseur war sagte: " Die "poppige" Musik sei etwas störend, "aber für den Preis geht das schon". (Quelle: Spiegel-Reportage )

Link: hr.video: Tarifverstösse und ignorante Kunden


Die Beschwerden

Sicher gibt es auch bei Billigketten vereinzelt Mitarbeiter, die ihr Handwerk verstehen. Doch wer sich die Umfrageergebnisse (rechts) oder Kunden-Beurteilungen ansieht, erkennt, daß Pfusch in Billigketten an der Tagesordnung ist. Die schlechten Leistungen sind auch eine direkte Folge des schlechten Arbeitsklimas, denn Billigketten-Mitarbeiter stehen durch Drohungen der Geschäftsleitung (siehe unten), (unbezahlten) Überstunden und extrem hohen Umsatzvorgaben unter extremem Druck

In der Folge bieten immer mehr klassische Salons die "Reparatur" von verpfuschten Schnitten an, siehe z. B.  Hairline Coesfeld oder Salon Schnittpunkt Heidelberg .

Siehe auch Link: "Schmerzensgeld: Haare weg nach Strähnen bei Friseurkette"

Wer sich beschweren bzw. andere Kunden warnen möchte:  Qype.de, Google-Maps, Ciao.de oder Doyoo.de

Die Mitarbeiter

Du arbeitest für eine Billigkette? Alle Infos für Mitarbeiter siehe unten


Die Manager / Betreiber

Falls nichts dazwischenkommt, sollten sie den Bericht hier sehr aufmerksam lesen. Wir bleiben dran.



Der Staat

In der ehemaligen DDR (Stasi) und auch schon früher funktionierte es in Deutschland bestens: Die scheinbar typisch deutsche Tradition der "Bespitzelung, Bedrohung und Einschüchterung " wird heute insbesondere durch Discount-Ketten weitergeführt. Weitgehend unsichtbar und unbeachtet von der Öffentlichkeit werden Mitarbeiter systematisch unter Druck gesetzt, bedroht, eingeschüchtert und mundtot gemacht. Der Staat unterstützt seit vielen Jahren Geringverdiener mit Hartz4-Geldern. Billigketten nutzen dies rigoros und systematisch aus und zahlen ihren Angestellten oft Minilöhne von zum Teil nur ca. 1,50 Euro pro Stunde (NRW siehe Link). Die Löhne werden absichtlich niedrig kalkuliert oder nur ein Teilzeitjob angeboten um den Mitarbeiter dann zur "Aufstockung" zur Arbeitsagentur zu schicken. Hier holen sich dann selbst Vollzeitkräfte das fehlende Geld durch staatliche HartzIV-Unterstützung aus Steuergeldern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel duldet diesen Skandal bis heute und zwingt somit selbst vollzeitarbeitende Friseure, um staatliche Zulagen zu betteln. Einen einheitlichen Mindestlohn für Friseure lehnt die Kanzlerin, die selbst gern den Berliner Promi-Coiffeur Udo Walz aufsucht, bis heute vehement ab.


Die Innungen

Auch wenn sich neuerdings der ein oder andere Obermeister mit verhaltener Kritik in die Medien wagt: Friseur-Innungen wollten jahrelang von dem Problem nichts wissen. Kein Wunder, sie verdienen fleissig mit an jeder Billigketten-Filiale (Beiträge, Seminare etc.). Die jahrelange Ablehnung von Mindestlöhnen und Duldung der Zustände macht sie zu "Komplizen" der Billigketten. Auch die Handwerkskammern bleiben weitgehend untätig - Hinweise auf Mißstände (z.B. Lohn, Meisterwang etc.) werden zwar scheinbar interessiert aufgenommen jedoch nicht weitergeleitet und damit ignoriert. Nur eine Anzeige beim Zoll (siehe unten) erwirkt eine Überprüfung.

Die Industrie

Nach außen nutzen sie das Image und Können klassischer Friseure. Aus reiner Profitgier unterstützen viele große Shampoo-Hersteller jedoch die umstritteneBilligketten nach Kräften. Einer der Chefs von Hairkiller ist z.B. ein Ex-Wella-Manager. Einige Ketten wurden von Wella tatkräftig unterstützt, beworben und beliefert, z.b. Cutman und Hairkiller.

Link: Video - Hairkiller empfiehlt Wella Professional


Die Medien

Einige zeigten großes Interesse an der Berichterstattung über staatlich geförderte Dumpinglöhne und Ausbeutung im Friseurhandwerk. Danke dafür! Leider fehlten zuweilen genügend aussagewilige Mitarbeiter. Sie waren meist so verschüchtert durch den Druck und das System "Angst", daß sich viele am Ende nicht trauten.

Einzelne Friseurketten öffentlich an den Pranger zu stellen, trauten sich bisher nur wenige Medien. Das änderte sich, als 2011 Manager der Friseurkette Klier vor Gericht standen bzw. verurteilt wurden.

In einer TV-Reportage von SAT1 (12/2009) sollte eine Reporterin testen, ob Billigketten ungelernte Kräfte einstellen. Sie erwähnte im Bewerbungsgespräch ausdrücklich, daß sie den Beruf NICHT erlernt hat. Sie mußte zum Probearbeiten und wurde direkt ohne Aufsicht auf die Kunden losgelassen. Die Reporterin konnte dabei noch nicht mal die Schere bzw. den Rasierer halten und schnitt einfach drauf los. Im ersten Salon kam dann nach 5 Minuten eine Kollegin und hat ihr beim Kunden gezeigt, wie man Haare schneidet. Im zweiten Salon gab es niemanden, der ihr half. Der Saloninhaber (übrigens auch ein Friseur) sagte dazu: "Ich stelle immer ungelernte Kräfte ein, damit ich den Preis halten kann."

FOCUS TV: Waschen, schneiden, fönen – am Besten umsonst
Der Preiskampf in der Friseurbranche ist hart wie nie. Mit Dumpingpreisen versuchen sich die Billigfigaros gegenseitig die Kundschaft abzugraben. Doch ein Haarschnitt für 10 Euro hat seinen Preis – und zwar vor allem aus Sicht des Fiskus. Denn die Billigtarife finanzieren selten eine ordentlich angemeldete und gesetzmäßig bezahlte Belegschaft – im Gegenteil: Dumpinglöhne sind Alltag in diesem Gewerbe. FOCUS TV hat mit versteckter Kamera ausprobiert, wie leicht es ist, unangemeldete Jobs zu ergattern und war mit den Zollfahndern unterwegs.



Oben: ZDF-Reportage Billigfriseure



 

 

 BilligKetten - FAQ

Wie entstanden überhaupt diese Billigketten?

Sollte man die Handwerkskammern und Friseur-Innungen fragen. In nur wenigen Jahren schafften es eine Handvoll Billigketten, den Ruf des einst so angesehenen und streng reglementierten Friseurhandwerks gründlich und dauerhaft zu beschädigen. Die deutsche "Geiz-ist-geil-Mentalität" ermöglichte Dumpingpreise auf Kosten der Mitarbeiter und der Qualität. Große Billigketten wurden dabei auch maßgeblich von der Industrie unterstützt, die in den Salons der Ketten neue Absatzmärkte für ihre Produkte sahen.

Sind Billigketten zukünftig erfolgreich?

Wie von Branchenkennern wie HairWeb vorausgesehen, konnten die meisten der anfänglichen "10-Euro-Friseure" den Niedrigpreis nicht halten. Mittlerweile sind die meisten bereits bei mindestens 13 EUR oder pleite, wie z.B. die Billigkette "McCut" und andere. Aufgrund vom anhaltenden Preiskampf, Kundenrückgang (siehe Umfrage oben) und kostspieligen Arbeitsgerichts-Prozessen wegen der schlechten Behandlung der Mitabeiter stehen immer mehr Billigketten vor dem Konkurs.

Warum arbeiten da Friseure für oft so wenig Geld?

Gewerkschaftlich organisiert sind Friseure fast nie, sie sind verteilt auf hunderttausende Kleinbetriebe, in denen es keinen Betriebsrat o. ä. gibt. Innungen und andere "Friseurverbände" ignorieren Probleme dieser Art bzw. kümmern sich lieber um sich selbst. Sie haben es mit zu verantworten, daß deutsche Friseure hierzulande so wenig verdienen wie nirgendwo sonst in Westeuropa. Die Tariflöhne sind teilweise so extrem niedrig, daß eine ungelernte Putzfrau mehr Gehalt bekommt. Billigketten zahlen ihren Mitarbeitern absichtlich so wenig Lohn, weil der Staat sie trotz Vollzeitjob mit Hartz4-Geldern aus Steuermitteln unterstützt.

 



Was  erwartet  mich  als  Mitarbeiter  bei  Billigketten ?


Die Top 5 Klagen sind:

  • Übermäßig starker Druck und Kontrollen
  • Dumping-Lohn (siehe auch Checkliste)
  • Unbezahlte Überstunden
  • Kameraüberwachung
  • Umsatzvorgaben - bei Nichtereichen Kündigung
  • Krankschreibungen auf Druck in Urlaub umgewandelt
  • Bei Filialwechsel Kündigung + erneute Probezeit
        (2 Jahre)
  • Kein Witz: Manche Ketten sparen die Müllabfuhr und weisen Mitarbeiter an, privaten Müll und Kundenhaare mit nach Hause zu nehmen
  •  

    Hinweis:

    Die Klagen variieren von Friseurkette zu Friseurkette - alle genannten Klagen stammen von uns namentlich bekannten Billigkettenmitarbeitern und liegen HairWeb teilweise auch in schriftlicher Form vor

     


    Die "billigen" Tricks der Ketten

    Trick "Probezeit": Mitarbeiter werden immer nur Probezeit-Verträge angeboten, auch nach Ablauf der Probezeit. Die Folge: Mit so einem Vertrag bekommt man keinen Mietvertrag mehr und auch kein Bankdarlehen. Man wird zum Menschen 2. Klasse.

    Trick "Eigenanteil": Ein Friseur schnitt sich in den Finger und mußte in die Unfallklinik. Mit der Begründung "weil es ja ein Betriebsunfall ist" wurden dem Mitarbeiter 75.-EURO vom Nettogehalt abgezogen, deklariert als angeblicher Eigenanteil bei der Berufsgenossenschaft. Erst nach der Drohung mit dem Arbeitsgericht wurde der absichtlich falsche Eigenanteil wieder zurückgezahlt.

    Trick "55Cent": Mitarbeiter berichteten kürzlich von 55 Cent, die vom Gehalt einbehalten werden. Als Grund wurden "Kosten für die Zusendung der Gehaltsabrechnung" angegeben

    Trick "Telefonkosten": Mitarbeiter telefonieren über das Salontelefon mit dem Betriebsleiter. Die Telefongebühren wurden vom Lohn abgezogen.

    Trick "Minuskonto": In einem Bericht des Hamburger Abendblattes steht, mit welchen Methoden manche Billigketten arbeiten, um ihren Angestellten noch weniger Lohn zu zahlen. Conrad Strehl, Lehrlingswart bei der Hamburger Friseurinnung schildert die Vorgehensweise wie folgt: "Viele Betriebe richten den Angestellten ein Minuskonto, beispielsweise mit 1200 Euro, ein. Pro Kunde wird etwas draufgerechnet, und erst bei null wird der Lohn ausbezahlt." Mit diesem Trick bekommen manche Friseure nur alle zwei Monate Lohn. ...zum gesamten Bericht >>>

    Links: Hamburger Abendblatt (Minuskonto) | Hamburger Abendblatt (Manager packt aus) | HA - Kette streitet ab



    Du bist Friseur/in und bist betroffen? Melde dich !

    Verständlicherweise haben betroffene Mitarbeiter bei Billigketten Angst um ihren Arbeitsplatz bzw. vor ihrem Arbeitgeber und trauen sich daher nicht, etwas dazu zu sagen. Man kann jedoch gewissen Arbeitgebern nur "das Handwerk" legen, bzw. andere Friseure "warnen", wenn betroffene Friseure ihre Probleme schildern bzw. auf Wunsch auch öffentlich machen (z.B. bei einer bereits laufenden Küdigung).

    HairWeb bittet daher dringend um weitere Berichte mit Beschwerden betroffener Mitarbeitern. emails bitte an die HairWeb-Redaktion: friseure(at)hairweb.de . 100% Vertraulichkeit wird garantiert. Keine Weitergabe der Daten an andere ohne Zustimmung des Betroffenen!

    HairWeb wird übrigens laufend von Gewerkschaften, TV und Presse gebeten, Friseure zu finden, die bereit sind, im Interview bzw. vor der Kamera über ihre Erlebnisse im Betrieb bzw. den Lohnproblemen zu berichten (natürlich anonym). Falls du ebenfalls dazu bereit bist, sende eine eMail an friseure(at)hairweb.de




    Was kann man dagegen unternehmen?

    1. Bei Verdacht auf Tarif-Verstöße, Lohndumping, meisterlose Betriebe etc. einfach ein Zoll-Fahndungsamt in deiner Nähe (siehe unten) informieren (nicht die Handwerkskammer oder Arge, die wimmelt i.d.R. nur ab)

      Berlin-Brandenburg
      poststelle@zfab.bfinv.de
      Columbiadamm 7
      10965 Berlin
        030/69583-0
      030/69583-569
      Hamburg
      poststelle@zfahh.bfinv.de
      Sieker Landstraße 13
      22143 Hamburg
        040/67571-0
      040/67571-201
      München
      poststelle@zfam.bfinv.de
      Landsberger Straße 124
      80339 München
      089/5109-02
      089/5109-1180
      Weitere Kontaktadressen Weitere Kontaktadressen Weitere Kontaktadressen


    2. Ein Rechtsanwalt / Sachverständiger (möglichst ein Fachanwalt für Arbeitsrecht) sollte gefragt werden. Er prüft, welche Rechte man hat, wieviel Lohn man nachfordern kann oder wie man richtig kündigt. Falls der Arbeitnehmer nicht genug Geld für einen Anwalt hat kann er bei der Öffentlichen Rechtsauskunfts- und Vergleichsstelle um Rat fragen und im Streitfall vor dem Arbeitsgericht Prozesskostenhilfe in Anspruch nehmen. Infos gibt es bei jedem Gericht in deiner Nähe.

    3. Mißstände bekannt machen!  Bei krassen Fällen sollte bzw. MUSS man die Vorkommnisse öffentlich machen.
      Vor nichts haben Friseurketten mehr Angst, als vor negativen Erfahrungsberichten (Kunden und Mitarbeiter). Bei großen Bewertungsportalen (z.B. Qype.de, Google-Maps, Ciao.de oder Doyoo.de ) , Blogs, und Foren kann man (ggf. auch anonym) Negativ-Berichte schreiben. Oder einfach mal den Firmennamen googeln und Kritiken finden. Durch die Berichte werden neben Kunden auch andere Friseure vor einer bestimmten Firma gewarnt.

    4. Leite diesen Link an alle Freunde, Friseure und Bekannte weiter! Unterstütze HairWeb z.B. auch bei facebook!    Jede Stimme zählt!   Hier voten



    Eine Gesellschaft von Schafen muss mit der Zeit eine Regierung von Wölfen hervorbringen.   (Bertrand de Jouvenel )


    "Friseur-Junkie Merkel"


    bleibt stur und ignorant...

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