Friseure haben mehr verdient als ein paar Euro + HartzIV !
Steuerzahler stockt Zusatzlohn für unterbezahlte Friseure auf - Billigketten profitieren
Einige scheinbare "Kenner" der Friseurbranche, allen voran der liebe Herr Popp vom famosen Zentralverband des Friseurhandwerks behaupten, durch einen Mindestlohn für Friseure gingen Arbeitsplätze verloren und Schwarzarbeit werde gefördert.
Kurios: Der neue Tarifabschluss im "reichen" Bayern liegt "zufälligerweise" genau ein paar Cent über der Gewerkschafts-Mindestlohnforderung von 7,50 EUR. Das nahm Präsident Herr Popp direkt zum Anlass, einen bundesweiten Mindestlohn für überflüssig zu erklären. Er befürwortet somit weiterhin Hungerlöhne z.B. für Friseure in Sachsen, die zum Teil noch nicht einmal die Hälfte verdienen und zusätzlich auf staatliche Hartz 4-Gelder angewiesen sind.
HairWeb weiß, wie es wirklich aussieht:: Die meisten der wehleidig jammernden Salonbesitzer, die den Wegfall von Arbeitsplätzen oder gar ihres Salons androhen, haben auch bei der letzten Mieterhöhung, Strompreiserhöhung, Shampoo-Preiserhöhung niemanden entlassen - warum also jetzt?
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Und wenn tatsächlich ein paar Stellen wegfallen sollten:
Wer, außer Herrn Popp und einigen Billigketten weint den Billigstarbeitsplätzen nach? Wer vermisst die "Pseudo-Arbeitsplätze", wo vollzeit-arbeitende Friseure zusammen mit unvermittelbaren Langzeitarbeitslosen gemeinsam in der Schlange der Arbeitsagentur stehen, um sich den zum Überleben dringend benötigten staatlichen Zuschuss zu holen?
Der Lohn wird vom Steuerzahler aufgestockt, also auch von Herrn Popp bezahlt. Die Profiteure sind Billigketten und geizige Saloninhaber, die es nicht nötig haben, ihre Angestellten menschenwürdig und angemessen zu entlohnen.
Kuriose Verhältnisse: Friseurinnen Nicole und Nancy aus dem Erzgebirge
Die ARD-Tagesschau und Panorama haben schöne Beispiele: Vollzeitkraft Nicole: "Im Monat krieg ich bar auf die Hand knapp 600 Euro und vom Arbeitsamt sind es an Zuschüssen 175,50 Euro."
Das heißt: Nicoles Lohn ist geringer als das staatlich festgelegte Existenzminimum. Obwohl Nicole Vollzeit arbeitet, bezieht sie Arbeitslosengeld II. .
"Ich hätte auch nie gedacht, dass ich hier, wenn ich hier acht Stunden beschäftigt bin, überhaupt aufs Arbeitsamt gehen oder mir irgendwelche Zuschüsse geben lassen muss."...zum vollständigen Artikel
Ihre Kollegin Nancy arbeitet übrigens im selben Salon, allerdings nur halbtags. Auch sie bekommt Hartz IV, trotzdem hat sie am Monatsende rund 100 Euro mehr als Nicole (Quelle. Panorama )
HairWeb-Boykottaufruf: Bei weniger als 7 Euro einfach zuhause bleiben!
Bei ein paar Euro die Stunde lohnt sich Arbeit für niemanden. HairWeb fordert daher alle unterbezahlten Friseure insbesondere von Billigketten auf, einfach nicht mehr zur Arbeit zu gehen. Durch HartzIV hat man meist das gleiche Geld als wenn man (Vollzeit) arbeiten würde und muß sich nicht noch als billige Arbeitskraft ausnutzen lassen. Außerdem hat man endlich Zeit für wichtige Arztbesuche, kann in Ruhe allen privat die Haare machen und sich dann einen Top-Salon mit höherem Lohn aussuchen. Besser ein arbeitloser Friseur mit viel Freizeit, Stolz und Würde als ein gehetzter, ausgebeuteter Sklave + HartzIV-Bittsteller.
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Schwarzarbeit?
Auch die Behauptung, daß ein Mindestlohn Schwarzarbeit fördert ist nicht haltbar, denn auch bei Minilöhnen um die 3 Euro wird schon mal (notgedrungen) schwarzgearbeitet, um über die Runden zu kommen und sich zum Beispiel den peinlichen Gang zur HartzIV-Behörde zu ersparen.
Fazit Auf lange Sicht schaden also Billiglöhne der ganzen Branche, denn schlecht bezahlte Friseure sind schlecht motivierte Friseure. Wenn also Herrn Popp, der übrigens nebenbei Salonbesitzer ist, auch nur irgendetwas an dem von ihm scheinbar so geschätzten Friseurberuf liegt, sollte er wie auch HairWeb und viele andere die von der Gewerkschaft geforderten 7,50 EUR Mindestlohn tatkräftig unterstützen.
Dieser sollte unserer Meinung nach jedoch zunächst nur für die westlichen Bundesländer gelten - in den neuen Bundesländern wäre aufgrund des niedrigeren Lohn-Niveaus ein Mindestlohn von ca. 6 EURO schon eine kleine Verbesserung.
Und noch etwas: Mindestlöhne gelten übrigens bereits in fast alle anderen Länder Europas (siehe LINK )
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Weitere Stimmen zum Thema Friseur-Löhne und Mindestgehälter
Fröhlich & Friends (Friseur-Unternehmensberatung)
"Die leidige Mindestlohndebatte bindet nur unnötige Energien. Lasst uns unsere Betriebe so fit machen, dass wir zu jeder Zeit weit übertarifliche Löhne zahlen können und dürfen. Damit grenzen wir uns auch dem Wettbewerb gegeüber ab und haben stets die besten Mitarbeiter. Die Zukunft gehört weiterhin uns. "
Friseur-News.de :
"Hohe Löhne sind ein Zeichen der Anerkennung und des Respekts für die Beschäftigten. Wenn in der Branche ein hohes Lohnniveau herrscht, werden sich die Möglichkeiten für unfairen und ungleichen Wettbewerb verringern oder sogar ganz verschwinden, während die Möglichkeiten der Mobilität zunehmen. Gleichzeitig zieht ein hoher Verdienst die besten Auszubildenden an und veranlasst das Personal zum Bleiben"
Zentralverband Friseurhandwerk (Andreas Popp)
"...überall dort, wo Mindestlöhne die Leistungskraft von Unternehmen überfordern, käme es zwangsläufig zu Beschäftigungsabbau. Das wiederum würde die Schwarzarbeit fördern und damit die Nachfrage in den legalen Betrieben reduzieren." Kommentar bei Focus Online:
"Wenn Arbeit teurer wird.. Dann geht sie weg? Bei der letzten Strompreiserhöhung hat mein Friseur sofort den Zähler abgeklemmt. Bei der Wassererhöhung hat er sein Wasser abgestellt, und bei der Mieterhöhung ist er sofort ausgezogen. Und Zitronenfalter falten Zitronen! "
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