| Die Friseur-Unternehmensberatung Fröhlich & Friends (Wolfgang Keim) zum Thema "Trinkgeld":
" .Tatsächlich gilt heute für die Preise auf allen deutschen Preislisten: »Bedienung inklusive«. Die Gewerbeordnung definiert Trinkgeld als »Geldbetrag, den ein Dritter ohne rechtliche Verpflichtung dem Arbeitnehmer zusätzlich zu einer dem Arbeitgeber geschuldeten Leistung zahlt«.
Also freiwillig und zusätzlich, wie ein Geschenk.
Deshalb muss Trinkgeld, das seit 1923 einkommensteuerpflichtig war, seit 2002 auch nicht mehr versteuert werden. Umgekehrt kann der Geber es nicht von der Steuer absetzen oder bei Geschäftsessen vom Arbeitgeber einfordern - schließlich steht es auch nicht auf der Rechnung.
Ich persönlich bin der Meinung, dass Trinkgeld Lohnbestandteil ist und dies Lohnsteuerfrei. In den USA, in denen die Einwanderer aus Europa den Trinkgeldbrauch verbreiteten, ist das heute noch ähnlich: dort liegt der gesetzliche Mindestlohn im Gastgewerbe um mehr als 40 Prozent niedriger als der sonst vorgeschriebene, nämlich bei 2,13 Dollar pro Stunde. Dafür erwarten Kellner einen »Tip« in Höhe von 15 Prozent des Rechnungswertes - nirgenwo sonst ist das ungeschriebene Gesetz des Trinkgeldgebens so bindend.
In der Friseurbranche gehen die Kunden ganz grundsätzlich davon aus, dass Trinkgeld erwartet wird und erfüllen auch diese Erwartungshaltung.
Bei einigen Erhebungen in Einzelsalons (Mainstream, flaches Land) kamen Trinkgelder von
etwa 2,- Euro pro Kundenbesuch heraus. Wenn wir weiter davon ausgehen, dass ein durchschnittlicher Mitarbeiter 8 Kunden pro Tag bedient und dies bei etwa 217 effektiven Arbeitstagen pro Jahr, ergibt dies ein Trinkgeld in Höhe von
3.472,- Euro (Brutto für Netto) zusätzlich. Legen wir dies auf zwölf Monate um, so resultiert im Mittel ein monatliches Trinkgeld von ca. 289,- Euro . Damit kommen wir letztlich auf amerikanische Verhältnisse, mit einem Trinkgeldanteil von knapp 39% am offiziellen Nettolohn. Also wenn wir uns schon in amerikanischen Verhältnis
sen bewegen, so sollten wir uns auch
deren Erkenntnisse bedienen.
Die bedeutendsten Werke der Trinkgeldforschung kommen aus den USA. Professor Michael Lynn von der New Yorker Cornell University hat zum Beispiel festgestellt, dass Kellner mehr verdienen können, wenn sie sich vorstellen, die Bestellungen wiederholen, lächeln, die Gäste kurz an der Schulter berühren, Smileys auf die Rechnung malen oder in die Hocke gehen, um mit dem Gast auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Bitte lasst uns doch lieber diesen Weg beschreiten.
Lasst uns unsere Mitarbeiter fit machen. Kunden, die zufrieden sind, geben mehr Trinkgeld. Darüber hinaus kommen sie aber auch häufiger, bleiben uns länger treu und empfehlen uns öfter weiter. Die leidige Mindestlohndebatte bindet nur unnötige Energien. Lasst uns unsere Betriebe so fit machen, dass wir zu jeder Zeit weit übertarifliche Löhne zahlen können und dürfen. Damit grenzen wir uns auch dem Wettbewerb gegeüber ab und haben stets die besten Mitarbeiter. Die Zukunft gehört weiterhin uns.
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