Billigketten-Übernahme: Klier schluckt Essanelle
Aktienkurs fällt immer weiter - was passiert mit Mitarbeitern und den 600 Salons?
 Essanelle ging als erster und bisher einzige deutsche Friseurkette 2001 zu einem Kurs von sieben Euro an die Börse. 2001 bis 2003 fiel der Kurs im Tief bis auf einen Euro. Der in den Aktionärsversammlungen immer wieder gebetsmühlenartig vorhergesagte Erfolg in Deutschland blieb (bis heute) aus. Ein "Expansionsabenteuer" in Polen scheiterte.
Diese Schwächen nutzte die Friseurkette KLIER GmbH aus Wolfsburg und kaufte immer mehr Aktien des Konkurrenten auf. Anfang 2008 war es dann soweit: Die Essanelle Hair Group AG wurde von der Klier-Kette komplett übernommen und Ex-Vorstand Uwe Grimminger verließ das Unternehmen (siehe unten). Die Übernahme gestaltete sich wegen Uneinigkeit in der Essanelle-Führung überraschend reibungslos , siehe auch ausführlichen Bericht von BÖRSE Online .
Essanelle
Der umsatzstärkste deutsche Friseurfilialist hatte die meisten Salons, die meisten Mitarbeiter und die höchsten Umsätze. Die Filialen befinden sich überwiegend in Stadtzentren, EKZ´s oder Warenhäusern wie Karstadt oder Hertie (Zukunft fraglich aufgrund Insolvenz 08/08).
Der durchschnittliche Salonumsatz betrug über 200.000 EUR und bewegt sich damit laut Verwaltung deutlich über dem marktüblichen Durchschnitt von 90.000. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 3.800 Mitarbeiter und hat mehr als 7 Millionen Kundenbesuche pro Jahr (weitere Daten siehe Statistik unten).
Die Gruppe hatte Ende 2001 ca. 4700 Mitarbeiter - Ende 2004 Jahres waren es nur noch 3900.
HairExpress: Mit der neuen Billigmarke Hair Express steigerte die Friseurkette ihren Umsatz um mehr als 30 %...mehr
Top Ten: Die neue Discount-Salon-Kette von Essanelle. Ähnlich wie HairKiller oder UNISEX sollen ...mehr
SuperCut: Billigkette wo Föhnen und Stylen der Kunde selbst übernimmt. An einer speziellen Föhnbar ...mehr
Essanelle-Salóns: ca. 500 Friseurläden in Innenstadtlagen und Einkaufszentren (z.B. bei Karstadt und Kaufhof). Sie verzeichneten noch 2004 zum Teil starke Umsatzrückgänge.
Jürgen Tröndle-Salóns: Für höhere Kundenansprüche gibt es deutschlandweit nur ca. 14 Filialen
Mods Hair: Seit dem 1. Juli 2006 werden die MODS HAIR-Salons von der ICF International Coiffeure Franchising GmbH weitergeführt. Essanelle will sich angeblich lieber auf die Expansion mit eigenen Salons konzentrieren...mehr
Essanelle Management: Grimminger schmeißt hin...
Essanelle-Vorstandschef Uwe Grimminger (Foto rechts) (Interview mit der WELT "Ich mache Testbesuche") wollte sein Vorstandsmandat zum 31. Januar 2008 aus angeblich "persönlichen Gründen" beendet. Zunächst war Grimminger kaufmännischer Geschäftsführer der Essanelle GmbH, ab 1995 Gesamtgeschäftsführer und anschließend bis 2001 Gesamtgeschäftsführer und Mitgesellschafter (MBO). Seit 2001 stand er dem Vorstand von Deutschlands einzigem börsennotierten Friseurfilialisten vor.
Achim Mansen, der bereits seit 2000 dem Vorstand des Unternehmens angehört, wird zunächst den Alleinvorstand übernehmen. Essanelle will in den nächsten Monaten einen weiteren Vorstand zu berufen (Quelle: Essanelle)
Weitere Essanelle Manager und Mitarbeiter
Aufsichtsrat
Joachim Dübner, Vorsitzender (Geschäftsführer)
Peter M. Herold, stellvertretender Vorsitzender (Gewerkschaftssekretär)
Michael Eberhardt (Gewerkschaftssekretär)
Cornelia Glaß (Friseurmeisterin)
Fritz Kuhn (Unternehmensberater)
Hans-Joachim Oltersdorf (Geschäftsführer)
Werner Schneider (Diplom-Ökonom)
Hiltrud Seggewiß (Unternehmensberaterin)
Jürgen Tröndle (Friseurunternehmer)
Barbara Wietusch (Friseurmeisterin)
Ulrike Witt (Friseurin)
Geschäftsentwicklung (Quelle Essanelle)
Nachdem die Umsätze in den vergangenen Geschäftsjahren durchweg leicht
rückläufig waren, hat Essanelle im ersten Halbjahr 2006 die Trendwende geschafft. Dank einer positiven Entwicklung bei den Salonkonzepten HairExpress,
Super Cut und Top Ten, die vor allem die preissensitive Kundschaft ansprechen,
konnten die Konzernerlöse um 1,9 Prozent auf 56,7 Mio. Euro ausgeweitet werden.
Die höchste Steigerungsrate von den etablierten Konzepten erwirtschaftete
dabei HairExpress mit 7,2 Prozent, während das im Dezember 2005 neu eingeführte Label Top Ten bereits Umsätze von 0,7 Mio. Euro beisteuerte.
Die Verkäufe von Friseurprodukten über diesen Vertriebskanal erlösten rund 2,0 Mio. Euro und übertrafen
die Vorjahresperiode damit um 42 Prozent. Leichte Rückgänge waren dagegen
bei der Stammmarke Essanelle - Ihr Friseur (-2,3 Prozent) und bei dem Ableger
für das gehobene Preissegment - Jürgen Tröndle (-7,7 Prozent) - zu verzeich-
nen.
Expansion im Filialgeschäft
Der Zuwachs auf der Konzernebene wird vor allem von einer Erhöhung der
Filialzahl getragen. Diese ist bereits im letzten Jahr nach 36 Neueröffnungen und
17 Schließungen per Saldo um 19 Salons gestiegen. Für das laufende Geschäfts-
jahr hat das Management 50 neue Einheiten als Zielmarke gesetzt, wobei sich die
Expansion vor allem auf die wachstumsstarken Labels im niedrigen Preissegment
konzentriert. In Einzelfällen kann das bestehende Netz allerdings auch durch die
komplette Übernahme kleiner Konkurrenten erweitert werden. Ein großer
Schritt in diese Richtung erfolgte dabei Mitte Juni mit dem Kauf von neun Friseursalons in Nordrhein-Westfalen. Nach Auskunft des Managements sind die
Standorte am Markt bereits gut eingeführt, können problemlos in den Konzern
integriert werden und dürften schon im zweiten Halbjahr Erlöse über 1,0 Mio.
Euro erzielen.
In Summe erhöhte sich die Zahl der Filialen zwischen Januar und
Juni bereits um 30 Einheiten, so dass ein Großteil der Wachstumspläne für das
Gesamtjahr schon nach sechs Monaten umgesetzt ist.
Verkauf der Fran-
chiseaktivitäten
Nicht weiter verfolgt wird dagegen das Franchisegeschäft mod's hair, welches
bislang das eigene Filialnetz ergänzt hat. Nach Aussage von Ex-Vorstand Grimminger hat sich der Bereich in den letzten Jahren unter den Erwartungen entwickelt,
weswegen er zum ersten Juli an die ICF International Coiffure Franchising
GmbH abgegeben wurde. In der Vergangenheit hat mod's hair allerdings weder
große Gewinne noch Verluste erwirtschaftet, so dass die Auswirkungen dieser
Transaktion auf das Konzernergebnis gering bleiben.
Anziehende Gewinndynamik
Einen deutlich größeren Einfluss auf die Gewinnentwicklung übt die Eröffnung
neuer Filialen aus. Da sich die volle Ertragskraft in der Regel frühestens nach
2 Jüngste Geschäftsentwicklung
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Research-Update Essanelle Hair Group AG / 29. August 2006
einem halben Jahr entfaltet, wird der Konzerngewinn in den Anfangsmonaten
noch durch die Anlaufkosten belastet. Dieser Effekt hat sich vor allem in den
Zahlen zum ersten Quartal 2006 gezeigt, in dem der Gewinn aufgrund der Auf-
wendungen für die zahlreichen zusätzlichen Salons trotz Umsatzwachstums auf
dem Vorjahresniveau von 0,3 Mio. Euro verharrte. Da Essanelle nun kontinuier-
lich neue Salons eröffnet, wird dieser Effekt zunächst anhalten. Allerdings sollte
er zunehmend durch die Umsatz- und Ergebnisbeiträge der Neueröffnungen aus
dem Spätherbst 2005 kompensiert werden, die nun ihre Anlaufphasen beenden.
In der Tendenz hat sich dies schon im zweiten Quartal abgezeichnet, als der
Periodenüberschuss um beachtliche 22 Prozent auf 1,1 Mio. Euro gewachsen ist.
Dadurch verbesserten sich auch die Profitabilitätskennziffern auf Halbjahresbasis: Neben dem höheren Nettoergebnis von 1,4 Mio. Euro (Vorjahr 1,2 Mio.
Euro) stiegen auch das EBITDA um 6,7 Prozent und das EBIT um 11,7 Prozent.
Ausblick
Branchenperspektiven
zwiegespalten
Dank einer steigenden Konsumfreudigkeit der Verbraucher hat sich das Umfeld
im Friseurmarkt weiter aufgehellt. So könnte das Geschäft im laufenden Jahr
zumindest stabil bleiben, nachdem die Branchenumsätze in den letzten Jahren
kontinuierlich zurückgegangen waren.
Ein großer Unsicherheitsfaktor für die
künftige Entwicklung bleibt allerdings die deutliche Mehrwertsteuererhöhung
zum 01. Januar 2007, die der relativ preissensiblen Kundschaft erneut den Anstoß geben könnte, die Ausgaben für die Haarpflege zu verringern.
Schätzungen angehoben
Wir glauben allerdings, dass Essanelle auch für ein weiter rückläufiges Marktum-
feld gut aufgestellt ist. Durch die konsequente Diversifizierung des Angebots und
die laufende Expansion bei erfolgreichen Konzepten dürfte das Unternehmen
auf Kosten kleinerer Konkurrenten zulegen.
Nach den guten Halbjahreszahlen,
die vor allem auf der Ergebnisseite eine positive Überraschung darstellten, haben
wir unsere Schätzungen für das Gesamtjahr leicht angehoben. Die prognostizier-
ten Margen und Zuwachsraten für die Folgeperioden bleiben dagegen unverändert. Die Mehrwertsteuererhöhung dürfte allenfalls für eine kurzfristige Delle bei
den Geschäftszahlen sorgen, die durch das Zusatzgeschäft aus neuen Filialen
schnell kompensiert werden sollte.
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