Die Welt zu Gast bei Freunden
Der 2005 gewählte Präsident Irans, Mahmut Ahmadinedschad (Foto rechts), ist fast täglich in den Schlagzeilen. Ob Atomstreit um verbotene Atombombenentwicklung, Leugnung des Holocausts oder irre Absichten zur Zerstörung Israels - für die FIFA keine Gründe, das Land für die WM 2006 zu sperren. Begründung: Politik und Sport müssen getrennt werden.
Der vollbärtige Chef des Gottesstaates nahm jetzt die positive Bewertung der FIFA dankend an und kündigt jetzt laut einem Spiegel-Bericht einen Deutschlandbesuch an. Als Bedingung für sein Erscheinen nannte er das Überstehen der Vorgruppe, das jedoch nicht eintrat.
Neben möglichen diplomatischen Verwicklungen hätte der umstrittene Besuch zur Folge gehabt, daß rechtsradikale Gruppierungen dem judenfeindlich eingestellten Präsidenten bei seiner Ankunft zugejubelt und Demos organisiert hätten - frei nach dem WM-Motto: "Die Welt zu Gast bei Freunden"..
Spanien, Rumänien und die Ukraine sagten übrigens die bereits geplanten Vorbereitungsspiele gegen den Iran ab. Nur Costa Rica war noch zu einem Spiel gegen die Nahost-Truppe bereit - und verlor: 2:3.
P.S. : Wenn sich der geplante Atombombenbau Irans technisch ebenso brilliant darstellt wie die Fotogalerie der offiziellen Fußball-Website der "Islamic Republic of Iran Football Federation", muss sich keiner wirklich Sorgen machen.
Langhaarige Iraner
Die Iranische Fußball-Föderation (FFI) hatte schon 2004 etwas gegen langhaarigen Fußballer. Ein Funktionär ließ damals verkünden, Fußballer mit langen Haaren würden die islamische Kultur untergraben. Die Spieler wären kein Vorbilder insbesondere für die Jugend und erzeugten bei den Besuchern und TV-Zuschauern negative Aufmerksamkeit. Bei Zuwiderhandlungen sollten Sperren für Ligaspiele und Nationalmannschaft erfolgen. Hintergrund der Strafaktion war ein Hauptstadt-Derby zwischen den verfeindeten Hauptstadtclubs Persepolis Teheran und Erzrivale Etseqlal Teheran, bei dem Persepolis-Star Ali Ansarian mit modischer Pferdeschwanzfrisur auffiel Ansarian verteidigte sich damit, daß seine Frisur doch seine persönliche Angelegenheit sei. Staats-Zensur gab es übrigens auch schon bei der WM-Gruppenauslosung - im iranischen TV wurden zunächst alle Szenen mit der Moderatorin, dem Model Heidi Kum, herausgeschnitten und dann zeitversetzt gesendet.
Ansarians ebenfalls langhaariger Ex-Mitspieler, Ali Karimi (Foto rechts) zog schon früh Konsequenzen aus dem Haar-Streit mit den strengen Fußball-Mullahs: Er wechselte zuerst von Persepolis Teheran zu Dubais Topverein Al Ahly und ist seit Mitte 2005 beim Bundesligaclub Bayern München unter Vetrag. Im Januar 2006 musste Asiens Fussballer des Jahres (2004) anlässlich eines Freundschaftsspiels gegen seinen Heimat-Verein antreten. Sein Ex-Club Persepolis Teheran ging zunächst durch den langhaarigen Ansarian in Führung - am Ende gewannen die Bayern mit 2:1. Die Iraner machten aus dem Spiel eine Propaganda-Show: Vor der Fernsehübertragung wurde der Text "Die friedliche Nutzung der Atomenergie ist ein natürliches Recht aller Völker" eingeblendet.
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