Bürgerkrieg gleich neben der Shampoo-Fabrik
Der luxuriöse Hauptsitz von L'Oreal liegt in einer Pariser Stadtrandsiedlung, der 41, rue Martre. In den modernen Büros und High-Tech-Labors des grössten Haarkosmetikherstellers der Welt wurden gerade neue Milliardengewinne erwirtschaftet. Die überwiegend französischstämmigen L'Oreal-Angestellten beziehen Gehälter, von denen selbst Durchschnittsfranzosen nur träumen kann.
Doch die Beauty-Fabrik hat einen Schönheitsfehler, den keine der alleskönnenden L'Oreal-Cremes je wegschminken könnte:
Der Stammsitz von L'Oreal liegt inmitten des ärmsten Viertels von Paris. Die Hälfte der 28.000 Einwohner ist jünger als 25 Jahre, 80% sind Muslime. Ihre Vorfahren kommen meist aus Nordafrika, die Arbeitslosigkeit in maroden Hochhaussiedlungen liegt über 50%. .
Das soziale Fass lief endgültig über, als 2 Jugendliche auf der Flucht vor der Polizei in ein Transformatorhäuschen flüchteten und dort von Stromstössen getötet wurden.
Von da an toben die Unruhen genau vor den Türen des Schönheitsgiganten und mittlerweile auch in 10 weiteren Gemeinden im strukturschwachen Norden von Paris. Die Polizei liefert sich seit mehr als einer Woche nächtliche Straßenschlachten, überall liegen ausgebrannte Autos und Strassenbarrikaden. Zuletzt brannten sogar Polizeistationen, Einkaufszentren, Schulen, Sporthallen und Firmen - auch das nahegelegene L'Oreal-Gebäude könnte bald das Ziel der radikalen Randalierer werden...
Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy (rechts) heizte die Situation noch an: Er nannte die randalierenden Jugendlichen vor der Presse "Abschaum und Gesindel". Und versprach schon im Juni 2005, die Vorstädte zu "kärchern", mit Hochdruck zu säubern. Sarkozy agiert mit Kalkül - er kandidiert 2007 für das Amt des Staatspräsidenten von Frankreich.
Skurille Folge seiner unfreiwilligen "Werbung" für die Reinigungsgeräte made in Germany: Hochdruckreiniger Marke KÄRCHER waren in ganz Paris wochenlang ausverkauft (Quelle: Spiegel).
Video der Krawalle (LeMonde)
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