Grundlagen
des Farbkreises
Lsst man normalsichtige Versuchspersonen Farbmuster nach der Empfindung auf hnlichkeit sortieren, werden die Farbtne in der Regel in dieselbe Reihenfolge gebracht. Anfang und Ende der Reihe sind sich dabei so hnlich, dass die Reihe zu einem Kreis geschlossen werden kann. Dies geschieht auch ohne Kenntnis der physikalischen bzw. neurologischen Zusammenhnge der Farbwahrnehmung.
Demonstration des Unterschiedes zwischen "Wahrnehmung" und "physikalischen Eigenschaften" von Farbwerten. Eine (physikalische) Abstufung von 20 auf dem HSB-Farbkreis erzeugt im Gelbbereich einen fr die Wahrnehmung strkeren Farbkontrast als dieselbe Abstufung im Rotbereich.
Abbildung rechts oben: Im historischen Teil der Farblehre hatte Goethe das Wissen zu den Farben aufbereitet, von der Antike bis zu seiner Zeit. Auf Rat von P.O. Runge wählte Goethe den Kreis zur Anordnung aller Farben.
Die Anordnung der Farbtne kann auch nach Gesichtspunkten der Farbmetrik gewhlt werden. Geometrische Aspekte des Kreises wie oben, unten oder gegenberliegend werden genutzt, um Zusammenhnge der Farbwahrnehmung darzulegen. Ein Gesichtspunkt sind Farbkontraste. Ein anderer ist es, die dem Empfinden gemen Abstnde zwischen den Farben ber den ganzen Linienzug des Kreises hinweg ausgewogen zu halten.
Je nachdem, welche Eigenschaften und Zusammenhnge vom beabsichtigten Anwendungsbereich als primr angesehen werden, gibt es verschiedene Mglichkeiten einen Farbkreis, ein Farbpolygon oder einen Farbstern zu bilden. Diese Wahlmglichkeit bot in der Geschichte der Farbtheorie (und gibt bis heute) Anlass zu teils erbitterten Kontroversen ber den "einzig richtigen" Farbkreis. Dabei ist zu beachten, dass der Farbkreis immer nur ein Modell der Wirklichkeit sein kann, er bleibt nur eine Mglichkeit unter mehreren, die komplexen Beziehungen und Zusammenhnge von Farben zu veranschaulichen und dadurch verstndlich zu machen.
Die Farbgestaltung in der Kunst und im Design orientiert sich vorwiegend am menschlichen Farbempfinden, denn der menschliche Gesichtssinn, bestehend aus Augen und Gehirn, ist ein kompliziertes Organsystem. In diesem physiologischen System wird die kontinuierliche nderung der Wellenlnge und deren Intensitt von sichtbarem Licht, dem Farbreiz, als Kombination von drei Grundfarben auf diskontinuierliche Weise, die Farbvalenz, interpretiert. Die physikalische Ursache der Farben lsst sich nicht linear in Beziehung zur Wahrnehmung setzen. An den physikalischen Eigenschaften des Lichtes orientierte Farbsysteme stellen Projektionen dar, die fr sthetische Gestaltung nur von begrenztem Wert sind, insbesondere bei einer zweidimensionalen Abbildung in Farbkreisen.
Die Formulierung "subjektive Wahrnehmung" ist hier nicht im Sinne von Geschmackssache zu verstehen. Die Ordnung des harmonisierten Farbkreises basiert auf objektiv nachweisbaren Eigenschaften des Gesichtssinnes und soll intersubjektiv - das heit von jedem normalsichtigen Betrachter - nachvollziehbar sein. Tests haben ergeben, dass die weitaus meisten Menschen Farben beinahe gleich wahrnehmen. Weder die Anzahl unterscheidbarer Farben noch die Empfindung von hnlichkeiten variieren wesentlich. Das muss auch so sein, denn sonst knnten wir nicht effizient ber Farbe kommunizieren, Farbbezeichnungen wren bedeutungslos.
Quelle: Wikipedia |