Hypertrichose ist der medizinische Fachbegriff für eine übermäßige Körperbehaarung, wenn das Haarwachstum an manchen Körperstellen kräftiger, länger und dichter ist, als es dem Geschlecht oder dem Alter entspricht. Bei dunkelhaarigen Menschen ist diese Veränderung häufiger zu sehen - auch dadurch bedingt, daß dunkle Haare "sichtbarer" sind.
Die Behaarung kann dabei unterschiedlich stark an verschiedenen Körperstellen auftreten. Manchmal ist diese Krankeit auch hormonell bedingt und kann genauso wieder verschwinden, wie sie gekommen ist. Bei leichteren Fällen dieser Erkrankung kann dem Betroffenen heutzutage mit neuen, schmerzlosen Verfahren und Methoden der Haarentfernung geholfen werden.
Das Phänomen äussert sich in extremer Körperbehaarung - fast der gesamte Körper ist mit einem dichten Haarpelz überzogen. Es ist eine extreme Form der Hypertrichose und eine der seltensten Erbkrankheiten der Welt - hervorgerufen durch einen Gendefekt.
Mitte des 16. Jahrhunderts tauchte der erste "Wolfsmensch" in den Überlieferungen auf. Der 1537 auf Teneriffa (Kanaren) geborene Pedro Gonzalez. Der 10jährige wurde damals dem französischen König Henry II von französischen Piraten als "Geschenk" überreicht. Der Spanier war bis auf die Lippen und Augen mit langen, dunkelblonden Haaren bedeckt und war eine Sensation am französischen Königshof.
Buchtipps
Tanz der Gene (Armand Marie Leroi)
Was ist normal? Und wer ist abnorm? - Wir alle sind abnorm. Aber einige von uns sind es mehr als andere. Die Grundgestalt unseres Körpers und seine Entstehung nehmen wir gewöhnlich als gegeben hin. Doch bei näherem Hinsehen wird vieles rätselhaft: In seinem brillanten Buch Tanz der Gene berichtet Armand Marie Leroi über unsere "genetische Grammatik" - und über jene Menschen, deren "andersartige" Körper uns Einblicke in die entwicklungsbiologischen Vorgänge gewährt haben: etwa die französische Klosterschülerin, deren Geschlecht in der Pubertät wechselte, die Kinder, die - wie Homers Zyklopen - mit nur einem Auge auf der Stirn geboren wurden, die langlebigen Zwerge eines kroatisches Dorfes, jene übermäßig behaarte Familie, die über vier Generationen am burmesischen Hof...mehr
Der wilde Mann von Teneriffa
(Robert Zapperi) Die wundersame Geschichte des Pedro Gonzalez und seiner Kinder; a. d. Ital. von Ingeborg Walter; Abb., ; C. H. Beck Verlag. Dies ist die glänzend erzählte Geschichte eines Mannes von den Kanarischen Inseln, dessen Gesicht und Körper dicht von Haaren bedeckt war. Sie spielt im 16. und 17. Jahrhundert und führt an die Fürstenhöfe in Frankreich, Deutschland und Italien, wo der Haarmensch und seine behaarten Kinder als merkwürdige Wunder der Natur bestaunt werden. Autor Roberto Zapperi erzählt vom Schicksal eines Eingeborenen aus Teneriffa, der mit einer sehr seltenen Krankheit geschlagen war...mehr
Auch Teile der folgenden Generationen der Gonzales-Famile litten unter der seltsamen Krankeit. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die "Wolfsmenschen" wie wilde Tiere in Ausstellungen und im Wanderzirkus präsentiert.
Die 1834 in Mexiko geborene Julia Pastrana (Die "Affenfrau") hatte dieselbe mysteriöse Erbkrankheit. Auch manche ihrer Kinder und Enkel waren betroffen und bis heute gibt es noch Nachkommen der Pastrana-Familie in Mexiko. Manche arbeiten als Akrobaten im Zirkus - andere rasieren sich mehrmals am Tag oder meiden schlicht die Öffentlichkeit.
Einer von ihnen ist vielleicht auch der Zirkusakrobat Danny Ramoz Gómez (Fotos) der am 28. März 1981 in Zacatecas geboren wurde. Reporter der Zeitung "ElMundo" besuchten ihn an seinem Arbeitsplatz: Einem mexikanischem Zirkus, der im nordamerikanischem Raum unterwegs ist.
Der 22jährige sagte den Redakteuren: "Meine Andersartigkeit schafft Distanz und beschützt mich. Durch die Reaktion auf mein Aussehen kann ich die Leute einschätzen und bestimme dann, wen ich an mich heranlasse und wen nicht. Niemals würde ich die Haare entfernen lassen, die meinen Körper bedecken."
Danny reiste in viele Länder, darunter auch nach Japan, um seiner Anomalität auf den Grund zu gehen. Doch keiner der Ärzte konnte ihm wirklich weiterhelfen. Ein japanischer Arzt sagte ihm: "Es ist eventuell eine Mutation einer anderen, sehr seltenen Krankheit, der "Licantropia". "
Dermatologen wendeten bisher erfolglos verschiedene Therapien an. Unter anderem eine Art Chemotherapie an, um den Haarwuchs zu stoppen. Eine Haarentfernung per Laser kann aufgrund der zahlreichen Haare nur sehr begrenzt angewendet werden, es ist einfach zu aufwändig, kosten- und zeitintensiv und kann Narben hinterlassen.
Seit dem Mittelalter sind nur 50 Fälle weltweit bekannt. Auch in Deutschland wurde ein an Hypertrichose leidender Junge geboren. Es existiert nur ein Kinderfoto von ihm, das in der Fachliteratur veröffentlicht wurde - mehr ist nicht bekannt.
Weitere Fälle
Der aus Polen stammende Stephan Bibrowsky (1890-1932), der als "Der Löwenmann" bekannt war und Fedor Jeftichew (Foto rechts, 1868-1903).
Ein Wolfsmensch hat übrigens mit dem sagenumwobenen "Werwolf" aus der Mythologie nichts zu tun - der Name bezieht sich auf die übermässige Behaarung, die einem Tier wie z.B. dem Wolf ähnelt. Die Menschen sind auch sonst "gesund" und haben eine normale Lebenserwartung.
Links: Haarentfernung (Frauen) | Haarentferung am Körper: Körperrasur & Bodygroom | Rasierinfos
Andere Haarkrankheiten, deren Ursachen z.T. unbekannt sind
- Trichorrhexis - abnorme Brüchigkeit des Haares
- Monilethrix - (Spindelhaar) unterschiedliche Dickenentwicklung des Haarschafts
- Trichoschisis - Haarspaltung
- Trichosporie - Haarknötchenkrankheit (Pilzerkrankung)
- Pili anulati (Ringelhaar)
- seltene Anomalie der Keratinbildung mit hellen und dunklen Strecken
- Allgemeine Entzündungen des Haarbodens oder des Haarbalges durch Bakterien, Pilze, führen zu Haarbalg-Eiterung und Haarausfall